Stellungnahme zur Direktkandidatur

Ahoi werte Blogleser,

Aus aktuellem Anlass muss ich euch leider mitteilen das ich nicht zur Bundestagswahl für die Piratenpartei Deutschland antreten werde. Dies ist keine Entscheidung von oben sondern eine rationale Entscheidung von mir aufgrund meiner politischen „Vorbelastung“. Wie sicher einige die meinen Namen beim „großen Bruder“ Google eingegeben haben, gesehen haben bin ich politisch kein unbeschriebenes Blatt. Hierzu meine Stellungnahme die ich dem Landesvorstand der Piratenpartei in Niedersachsen abgegeben habe:

 

Liebe Freunde der Piraten Partei

Ich möchte in diesem Schreiben Stellung zu meiner Vergangenheit nehmen.

Ich war bis vor einem Jahr und 4 Monaten in der rechten Szene in Niedersachsen aktiv und möchte dies hier kurz erläutern. Als ich 16 war rutschte ich aufgrund meines damaligen Freundeskreises in die die rechte Szene in Schneverdingen ab. Zusammen mit einem Freund nahm ich an mehreren Demonstrationen der NPD teil und konnte mich in meiner jugendlichen Naivität für diese Art der Politik begeistern. Später gründete ich mit dem schon genannten Freund die ANS (Autonome Nationalisten Soltau) die dann später zu einem größeren Bündnis, der ANNW( Autonome Nationalisten Nord/West ) heranwuchsen .

Schon damals setze bei mir der Denkprozess ein, der mich letztendlich zum Ausstieg bewegte. Ich sah mich schon damals als Nationalen Antifaschisten und Querfrontler, ich konnte mit dem Nationalismus ala 3. Reich nicht mehr viel anfangen und mir wurde klar das es unmenschlich war Menschen aufgrund ihrer Abstammung zu bewerten. Diese Einstellung wurde damals von Teilen der Gruppe mitgetragen und führte schließlich dazu das wir uns mit der ANNW größtenteils von der Nazi Szene isolierten. Wir gingen gemeinsam auf sowohl Antifa als auch auf rechtsextreme Demos .

Im Februar 2008 besuchte ich dann meine letzte rechtsextreme Demonstration von der ich aufgrund meiner vorherigen Äußerungen fast ausgeschlossen wurde. Im März 2008 wollten wir an einem Infotisch der Antifa gegen das Treffen der Ludendorfer in Dorfmark teilnehmen, bekamen jedoch einen Platzverweis. Später bekam ich Morddrohungen von Personen aus der niedersächsischen Naziszene, weil ich mich an einem antifaschistischen Infotisch beteiligt hatte. Diese Drohungen und mein damit verbundenes Umdenken brachten mich schließlich dazu komplett aus diesen Strukturen aufzusteigen.

Nach meinem Ausstieg fing ich eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker an und beschäftigte mich nicht mehr viel mit Politik. Ich hatte auf Grund meiner Vergangenheit Angst noch irgendwo etwas politisch zu machen. Schon zu dieser Zeit verfolgte ich die Politik der Piratenpartei in Deutschland und Europa und konnte mich damit identifizieren. So fasste ich vor einem Monat den Entschluss mich aktiv bei den Piraten zu beteiligen.

Ich möchte mit dieser Erklärung deutlich machen das ich mich von meiner Vergangenheit distanziere und ab sofort in die Zukunft blicken möchte. Ich distanziere mich hiermit noch einmal von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Chauvinismus jeglicher Couleur. Des weiteren lehne ich Gewalt als politisches Mittel komplett ab. Ich hoffe das ihr mir meine Vergangenheit nicht übel nehmt und hoffe das ihr Verständnis dafür habt. Meine Stellungnahme als Vertrauensbeweis betrachtet, der zeigen soll das ich gerne in der Zukunft mit euch die Politik der PIRATEN vertreten möchte.

Euer Söhnke

 

 

Wie aus der Stellungnahme hervorgeht habe ich vor ca. 1 ½ Jahren meine politischen Aktivitäten abgelegt und mich langsam neu orientiert. Hierbei habe ich sehr intensiv den TPB Prozess mitverfolgt. Da ich selber Fan von Opensource, P2P und für mehr Mitbestimmung der Bürger in der Politik bin liegt es nahe das ich mich in die Richtung der Piratenpartei entwickelt habe und so schließlich auch Mitglied geworden bin. Meine Kandidatur zum Direktkandidat war aber leider ein Schnellschuss von mir. Mir ist erst später, nach einem klärenden Gespräch mit dem Landesvorstand bewusst geworden das meine Kandidatur für die Partei kontraproduktiv wäre. Ich werde mich trotzdem rege am Wahlkampf, so wie es meine Möglichkeiten hergeben, beteiligen. Ich stehe natürlich auch gerne für Persönliche Gespräche, Fragen oder Anregungen unter: soehnke@dorten.net bereit.

Beende möchte ich meine Stellungnahme mit einem Zitat von Friedrich Hebbel:

Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.

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14 Responses to “Stellungnahme zur Direktkandidatur”

  1. inkorrupt Says:

    Hallo Soehnke,

    nur Idioten ändern sich nie.

    Wirst Dir jetzt ‘ne Menge anhören müssen, aber wenn Du aus dem richtigen Holz geschnitzt bist, nimmst Du daraus ‘ne Menge mit.

    Deine Entscheidung mit den Rechten zu brechen begrüße ich ausdrücklich und heiße Dich im Namen aller Deserteure und Meuterer willkommen an Bord.

    Klarmachen zum ändern!

    gruuß
    inkorrupt

  2. Arno Nym Says:

    “… deutlich machen das ich mich von meiner Vergangenheit distanziere …”

    Das geht leider/Gott sei Dank nicht. Mir würde schon ausreichen, wenn Du Dich von den in der Vergangenheit verfolgten Ideen und Zielen distanzierst.

  3. Die Piratenpartei, der Infokrieg und die Radikalen « P O L I T E I A Says:

    [...] der andere sich von seinen früheren Positionen in einer Stellungnahme [...]

  4. Bundestagswahl 2009 | Dorten.net Says:

    [...] Stellungnahme zur Direktkandidatur [...]

  5. Martin Says:

    Wenn du es Ernst meinst, stehen wir voll hinter dir.

  6. inkorrupt Says:

    @ Arno Nym

    Mit dem Beitritt in die Piratenpartei hat Söhnke bereits ein deutliches Statement abgegeben:

    ” § 1 – Name, Sitz und Tätigkeitsgebiet

    (1) Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) ist eine Partei im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Parteiengesetzes. Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab. ”
    http://wiki.piratenpartei.de/Satzung

    @ Söhnke:

    Die Unterzeichnung dieser Stellungnahme sollte auch für die Blinden und die Tauben deutlich genug sein:

    http://wiki.piratenpartei.de/Stellungnahme_zu_Geschichte_und_Verantwortung

    Denk’ mal drüber nach.

    gruuß
    inkorrupt

  7. Arno Nym Says:

    @inkorrupt

    Das bestreitet ja niemand. Es war ein Hinweis auf eine sprachliche Unsuaberkeit, mehr nicht. Ich ändere daher in “Mir reicht schon aus, wenn … distanziert hättest”.

    @Söhnke

    Unterzeichnungen von Stellungnahmen wollen wohl überlegt sein. Engagierte Piraten wurden vom Mob schon halb gesteinigt, weil sie einzelne Worte falsch verwendet haben. Ich würde zunächst nix mehr unterzeichnen.

  8. Neuer Nazi-Skandal: Nationalbolschewisten entern niedersächsische Piratenpartei « PiratenWatch Says:

    [...] Er zog seine Kandidatur zurück. Für Lars Poppke dürfte das Gleiche gelten. In seinem Blog zog Söhren Dorten seine Kandidatur am 20. Juli 2009 zurück: Ich möchte mit dieser Erklärung deutlich machen das [...]

  9. Derk Says:

    Mein Kompliment zu diesem Schritt und zur Stellungnahme. Es gibt leider nicht viele, die so deutliche und konsequente Handlungen vornehmen und sich auch so deutlich zu Fehlern in der Vergangenheit bekennen. Man kann Deinen Entwicklungsprozess gut nachvollziehen und ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei uns.

    Derk (Pirat)

  10. baschar Says:

    @Söhnke: laß dich nicht verarschen, Finger weg von der Bodo Geschichte, du zeigst hier ganz klar, wie es Bodo hätte machen sollen! Bravo!

    @arno nym @inkorrupt: ich find euch zum kotzen

  11. Claas Says:

    Hay,

    ich hab erst eben durch eine Mail in der Piraten ML von dir erfahren und den indym. Artikel gelesen.
    Ich kenne Leute persönlich, die diesen schritt hinter sich gebracht haben und weiß was es bedeutet. Deshalb möchte ich dir hiermit >virtuell< die Hand schütteln und dir viel glück wünschen.
    Auf das deine alten “kammeraden” dich in ruhe lassen, und du in Frieden weiter leben kannst.
    Es freut mich immer, wenn menschen wie du sich zu diesem Schritt durchringen können.

    Grüße Claas

  12. Pirat Says:

    Hallo Söhnke,

    auch von mir Kompliment zu deinem Schritt und deinem Engagement.

    Ich habe einen ganz ähnlichen, wenn auch weniger drastischen Weg hinter mir und weiß wie schwer es ist (vor allem für junge, politisch interessierte Menschen) in dieser Zeit eine fundierte politische Meinung zu bilden.

    Die Extreme lockt an allen Ecken und Kanten. Dazu kommt dann die Unzufriedenheit mit diesem Ausbeutersystem, nichts dagegen machen zu können und das Ergebnis ist eine falsche politische Entscheidung/Orientierung.

    Ich bin erst Anfang 20 und froh darüber diesen Weg so schnell hinter mich gebracht zu haben.

    Eine Kandidatur wäre bei mir aus dem selben Grund, wie bei dir, unmöglich, denn dass wäre für die Massenmedien ein gefundenen Fressen und würde der PP schaden.

    Und das wollen wir ja alle nicht :]

    Viele Grüße

    Pirat aus Berlin

  13. zappi Says:

    Ich will es mal in einen Wort ausdrücken:
    Respekt!

  14. Wolfgang G. Wettach Says:

    Dass die rechte Flanke der Piraten offen und ungedeckt ist, ist bedauerlich und ein Grund, mehrmals skeptisch hinzuschauen.

    Dass die Piratenpartei rechts sei wird allerdings niemand ernsthaft behaupten können, der sich mit ihr mehr befasst oder einen ihrer Parteitage besucht hat. Die PP ist deshalb in keinem Lager verortet, weil viele Mitglieder bisher mehr oder weniger unpolitisch waren was die Allgemeinpolitik oder Parteizugehörigkeiten angeht. Dass die Freiheit nicht bei SchwarzGelb zu finden ist wird nicht nur an der CDU liegen, sondern auch an der, nennen wir es Anpassungsfähigkeit, der FDP – wie wir sehen werden.

    Wer sich gegen Rechtsextremismus engagiert, wie ich als jemand der im EU-Projekt XENOS Unterrichtseinheiten entwickelt hat die an Berufsschulen eingesetzt werden, begrüsst jeden Aussteiger aus der rechten Szene. Einsicht geht vor Einsperren, zumal für Freunde der Freiheit.

    Mit Gruß von einem Grünen Piraten (einst aus Niedersachsen).

    (P.S.: Bei nowexx etwa bin ich was einen Ausstieg oder gewandelte Überzeugungen angeht deutlich skeptischer)

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